zwergenHAFT                                   

Masken- / Figurentheater
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Selbst gefertigte Masken und Figuren bilden die Grundlage des künstlerischen Schaffens von zwergenHAFT. Auf der Probenbühne werden diese sorgfältig auf ihre Spielbarkeit hin überprüft. Der individuelle Charakter und die emotionalen Möglichkeiten jeder einzelnen Maske oder Puppe werden dabei aufmerksam ausgelotet. Durch äußerst präzise, körperliche Feinarbeit erwachen die an sich starren Maskengesichter und leblosen Puppen zum Leben und vermögen auf der Theaterbühne zu überzeugen.

Jedes Gesicht erzählt seine eigene Geschichte. Losgelöst von der Mimik assoziiert die reine Physiognomie bereits einen bestimmten Charakter. Dazu gesellt sich ein
bestimmter mimischer Ausdruck, mit dem ein Mensch bevorzugt durchs Leben geht. Die Maske macht Physiognomie und Gefühlsausdruck gewissermaßen dingfest. Eine gute Theatermaske lässt aber viel mehr zu als ein einzelner, “eingefrorener“
Gefühlszustand. Tatsächlich hat es etwas Magisches an sich, dass eine Maske im Spiel ihren Ausdruck verändert, dass ein und dieselbe ebenso arrogant wie traurig wirken kann, Angst wie Freude zu empfinden scheint. Das Spiel von Licht und Schatten auf den modellierten Gesichtszügen, die Körperlichkeit des Maskenträgers und die Wahrnehmung des Betrachters (unser Gehirn ist darauf angelegt, in Gesichtern Emotionen zu lesen) vermögen die Illusion von Lebendigkeit zu erwecken.“ (Patrick Boog)

Die nonverbalen Theaterstücke, die sich in erster Linie an ein erwachsenes Publikum richten, entstehen über das Verdichten von Bildern zu Geschichten mittels Improvisation. Die beiden Schauspieler entpuppen sich dabei immer wieder als genaueste Beobachter, denen es gelingt, ihre Umwelt auf subtil humorvolle, zuweilen groteske Art zu karikieren. Ihre Geschichten ohne Worte, welche die beiden Spieler dem Publikum erzählen, stammen mitten aus dem Leben und berühren mit Tragik, Witz und menschlicher Wärme. Unweigerlich identifiziert man sich als Zuschauer mit den einzelnen Figuren und erkennt in den Masken vertraute Menschen wieder.

Das körperbetonte Spiel entlockt den an sich starren Gesichtszügen so manche Emotion, fühlt man sich im Publikum doch der Illusion erlegen, von den Masken ein Lächeln oder Augenzwinkern erhascht zu haben. Es mag absurd klingen, doch gerade mit dem Tragen der Masken wird der Blick dahinter erst möglich, sie vermögen – im wahrsten Sinne des Wortes – zu entlarven. Gute Masken lassen vergessen, dass sie Masken sind. Sie erzählen Geschichten und erinnern uns an das Leben.

„Ein Schauspieler wirkt auf den Zuschauer durch seine Gestalt und Stimme. Der Figurenspieler setzt ebenfalls seine Persönlichkeit ein, jedoch nicht in seiner wirklichen Gestalt, sondern in Gestalt der Puppe. Er muss, wie der Schauspieler sich in seine Rolle, sich in die Puppe und deren Rolle einleben und ihren Charakter samt ihren Eigenwilligkeiten zum Ausdruck bringen. Die Darstellung eines Wesens als Puppe geschieht nicht allein durch naturgetreues Abbilden und Imitieren, sondern durch schöpferische Vereinfachung und Hervorhebung des Wesentlichen. Gerade in der Unvollkommenheit, im Ungelenken, nicht ganz Perfekten liegt das Geheimnis von scheinbarer Lebendigkeit der Puppe.“ (Alexander Huber)